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Exzellente Führung beginnt nicht mit Beziehungsgestaltung
Artikel von Jochen Trockle
In der aktuellen Führungsdiskussion dominieren häufig Fragen nach Persönlichkeit, Authentizität oder dem „richtigen“ Führungsstil. Führung wird dabei oftmals auf Beziehungsgestaltung, Empathie oder individuelle Wirkung reduziert. All das ist wichtig – aber es beschreibt nur einen Teil exzellenter Führung.
Führung ist eine strukturell notwendige Funktion innerhalb von Unternehmen. Sie trifft verbindliche Entscheidungen, absorbiert Unsicherheit, setzt Prioritäten, definiert Ziele und verantwortet die Zuweisung von Ressourcen. Führung verbindet Strategie, Struktur und Menschen zu wirksamem Handeln. Damit Führung diese Funktionen erfüllen kann, benötigt sie ein methodisches Fundament.
Genau dieses Fundament bildet die erste Kompetenzdimension des 4-Dimensionen-Modells exzellenter Führung: Führungswissen und Führungstechniken.
Exzellente Führung beginnt mit dem Verständnis der theoretischen Grundlagen. Führungskräfte müssen nicht sämtliche Führungstheorien im Detail beherrschen. Sie sollten jedoch wissen, welche wesentliche Modelle existieren, auf welche Annahmen diese beruhen und in welchen Kontexten deren Stärken und Grenzen liegen.
Führungswissen - Das kognitive Fundament
Führungswissen bildet die kognitive Grundlage professioneller Führung. Führungswissen vermittelt Verständnis von Motivation und Leistungsbereitschaft, Wissen über Kommunikation und Konfliktdynamiken, Kenntnisse über Zielsteuerung und Delegation sowie Verständnis organisationaler Zusammenhänge. Ebenso gehört dazu die Kenntnis etablierter Führungsansätze – vom situativen Führungsmodell (Hersey und Blanchard) über transformationale Führung (Bass und Avolio) bis hin zu neueren Konzepten ambidextrer Führung (die in agilen Unternehmen immer mehr an Bedeutung gewinnen). Dabei geht es aber ausdrücklich nicht um theoretische Vollständigkeit und nicht um den „richtigen“ Führungsstil. Ein einheitlicher Führungsstil kann zwar Orientierung geben, wird jedoch der Vielfalt moderner Belegschaften nicht gerecht. Mitarbeitende unterscheiden sich hinsichtlich Erfahrung, Kompetenz, Motivation und Entwicklungsstand. Deshalb muss sich das Führungsverhalten an der jeweiligen Situation orientieren. Gerade hier liegt die Stärke des situativen Führungsstils. Gleichzeitig zeigt sich aber auch hier seine Grenze. Er beschreibt, wie Führung situationsabhängig erfolgen soll, beantwortet aber nicht die vorgelagerte Frage, welche Kompetenzen eine Führungskraft überhaupt benötigt, um situativ angemessen entscheiden zu können.
Führungstechniken: Das methodische Handwerkszeug
Führungswissen allein führt jedoch noch nicht. Zwischen Erkenntnis und Umsetzung liegt die Beherrschung konkreter Führungstechniken. Zielvereinbarungsgespräche, Delegation, Feedback, Kritik- und Beurteilungsgespräche oder strukturierte Konfliktlösungen bilden das operative Handwerkszeug exzellenter Führung.
Diese Methoden lassen sich erlernen, trainieren und kontinuierlich verbessern. Sie reduzieren Zufälligkeit in der Führung und schaffen Verlässlichkeit sowohl für Mitarbeitende als auch für Unternehmen.
Ob diese Führungstechniken Vertrauen schaffen, hängt jedoch von der inneren Haltung der Führungskraft gegenüber den Mitarbeitenden ab. Positiv wirksames Führungsverhalten entwickelt sich nur dort, wo methodische Kompetenz auf eine respektvolle Grundhaltung gegenüber den Mitarbeitenden und ein echtes Interesse an deren Entwicklung trifft.
Resümee:
Führungswissen erklärt, was in Führungssituationen geschieht und warum. Führungstechniken zeigen, wie Führung konkret umgesetzt wird. Erst das Zusammenspiel beider Ebenen macht Führung steuerbar und verantwortbar.
Exzellente Führung beginnt deshalb nicht mit Beziehungsgestaltung. Sie beginnt mit der ernsthaften Auseinandersetzung mit Führung als Profession und mit dem Beherrschen von Führungstechniken – gepaart mit einer positiven Einstellung gegenüber den Mitarbeitenden und aus der Bereitschaft heraus, Aufgaben, Verantwortung und Entwicklungsmöglichkeiten an deren individuellen Nutzen- und Karrierevorstellungen auszurichten.
Führungswissen und -techniken ist die erste Kompetenz-Dimension des 4-Dimensionen-Modells exzellenter Führung – aber erst im Zusammenwirken mit den drei weiteren Kompetenzdimensionen (fachliche Legitimation, erfahrungsbasierte Urteilskraft, persönliche Führungskompetenz) wird konsistente und nachhaltige Führungswirksamkeit erzielt.
Unser nächster Beitrag: Kompetenzdimension „Fachliche Legitimation – die unterschätzte Voraussetzung wirksamer Führung“
Jochen Trockle I TROCKLE Unternehmensberatung

